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Kammerphilharmonie Graubünden

1. Abonnementskonzert

Montag, 1. November 2010, 20:00 Uhr
Theater Chur

Leitung Sebastian Tewinkel
Solisten Vital Julian Frey, Cembalo
Philipp Bachofner
Brita Ostertag, Flöte

Solisten

AMAR Quartett
Oliver Schnyder, Klavier

Programm Dmitri Schostakowitsch, Klavierquintett g-Moll, op. 57
Robert Schumann, Klavierquintett Es-Dur, op. 44

Wolfgang Amadeus Mozart (1756 - 1791) Serenade Nr. 6 D-Dur KV 239 Serenata Notturna

  • Marcia: Maestro
  • Menuetto
  • Rondo: Allegretto
Martin Wettstein (1970 - )
Bourrèe
Komponiert 2010


Willy Burkhard (1900 - 1955) Concertino op. 94 Komponiert 1954

  • Pause
Anton Bruckner (1824 - 1896)
Adagio für Streicher
Komponiert 1878 - 1879


Johann Sebastian Bach (1685 - 1750)

Brandenburgisches Konzert Nr. 5 D-Dur BWV 1050
  • Allegro
  • Affettuoso
  • Allegro
Cembalo aus dem Hause Piano Rätia



Wolfgang Amadeus Mozart

Serenata Notturna

Als Mozart im Jahre 1776 von einer Reise von München nach Salzburg zurückehrte erlitt er eine seiner ersten grösseren Enttäuschungen. Auf Grund seiner in ganz Europa erlebten Erfolge fühlte sich der gerade 20 Jahre alt zählende Mozart bereits als Meister und war voller Tatendrang. So war es doch eine herbe Enttäuschung, dass er in München keinen Auftrag zur Komposition einer Oper erhielt, den er sehnlichst erhoffte. Es war ja die Musikgattung, die ihn von früher Jugend an bis zu seinem Tod am meisten interessierte und sich hingezogen fühlte. So kam er nach Salzburg, seine Heimatstadt aber nicht die, die er besonders liebte zurück. Die künstlerischen Verhältnisse waren in diesen Jahren in Salzburg so gelagert, dass er doch recht viele Kompositionen des unterschiedlichsten Genres komponieren konnte. Man findet in Mozarts Kompositionen des Jahres 1776, geistliche Musik, Sonaten für Orgel und Orchester, für den eigenen Gebrauch Sonaten für Violine und Klavier und schliesslich gesellschaftsgebundene Musik. Sie umfasst seine Serenaden und Divertimenti. Diese Kompositionen waren für die höfische Tafel und für universitäre oder bürgerliche Feste gedacht. Gerade der reichen Pflege der Serenadenmusik verdanken wir die schönsten Werke Mozarts in dieser liebenswürdigen Gattung. Er führte sie auf ihren Gipfel. Bis zu seiner Übersiedlung nach Wien schrieb Mozart regelmässig Abendmusiken. Wir finden in diesen Serenaden und Divertimenti sehr unterschiedliche Werke, manchmal eher als Kammermusik und andere für ein grosses Orchester mit bis zu 8 Sätzen. Die Serenata Notturna ist auffallend knapp gehalten und hat nur 3 Sätze. Da sie im Januar 1776 komponiert wurde, ist sie ja wohl eher als Hausmusik und nicht als Gartenmusik gedacht. Interessant an dieser Komposition ist, dass ihre Besetzung aus 2 kleinen Orchestern besteht. Das eine beinhaltet 2 Violinen, Viola und Kontrabass. Das andere 2 Violinen, Viola, Violoncello und Pauke. Diese beiden Klangkörper wurden dann auf 2 verschiedene Ebenen platziert, wodurch die ganze Komposition eine Echowirkung erzielte.

Martin Wettstein

Bourrée

Martin Wettstein hat sich in seinen noch jungen Jahren nicht nur einen Namen als Schweizer Komponist gemacht sondern ebenso als ein hervorragender Pianist. Er spielte mit dem Tonhalle Orchester Zürich, dem Zürcher Kammerorchester und dem Winterthurer Stadtorchester. Daneben pflegt er das Zusammenspiel als Pianist mit Verschiedenen Kammermusikern. So profilierte er sich mit dem Carmina Quartett oder dem Tenor Christoph Homberger. Auch die Flötisten Mathias Ziegler und Quilung Chen sind bevorzuge Kammermusiker und nicht zu vergessen ist der Geiger Stefan Tönz. Verschiedene dieser Kammermusiker haben wir schon in Chur gehört. Allerdings nicht mit Martin Wettstein. Er lebt heute als freischaffender Künstler in Küsnacht und schreibt mehrheitlich Kompositionen nach Auftrag. Unter den Auftraggebern findet man bekannte Namen und Ensembles. Das Casal und das AMAR Quartett gehören zu den Auftraggebern wie der Singkreis der Engadiner Kantorei, der Männerchor Zürich, die Kammerphilharmonie Graubünden und viele andere mehr um nur einige zu nennen.

Die Bourrée ist ein Tanz, der vor allem in der Auvergne verbreitet war. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Bourrée in der Instrumentalsuite als 2. Satz verwendet. Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel haben die Bourrée mehrfach verwendet. Bei Bach findet man sie in einer seiner Suiten für Violine solo und in seiner 2. englischen Suite. Händel verwendete sie in seinen frühen Opern, in der Feuerwerksmusik und anderen Werken. Ab ca. 1750 wird die Bourrée immer seltener verwendet. Erst im 19. und 20. Jahrhundert wurde sie von den Komponisten wieder entdeckt. Martin Wettstein hat seine Bourrée im Frühjahr 2010 komponiert. Er widmete sie dem Flötisten Philipp Bachofner und der Flötistin Brita Ostertag. Martin Wettstein schreibt u. a. zu diesem Werk: "dieser altehrwürdige französische Hoftanz geistert nun durch das ganze Werk hindurch als Symbol aufblühender und wieder verblassender Erinnerungen an ein grosses aber vergangenes Zeitalter. Es sind Erinnerungen, die immer wieder durch gegenwärtigen Informationslärm überdeckt und gestört werden. Sie wird aufgesplittert und verliert sich in wirbelndem Dunkel, um dann in neuen Lebensräumen wieder zusammenzufinden."

Willy Burkhard

Concertino op. 94

Von der Musik Willy Burkhards ist unverhältnismässig wenig bekannt. Am Anfang seines Schaffens waren Kammermusik, Chor- und Orgelmusik die bevorzugten Kompositionen. In seinem Oeuvre sind Chöre à capella und mit anderen Instrumenten auch Orchester, Kammermusik mit Quartetten, Trios und Sonaten sowie die Orgelmusik vorherrschend. Nach seinen Studien in der Schweiz, Deutschland und Frankreich liess er sich als Klavier- und Musiktheoretik-Lehrer in Bern nieder. Seit 1928 war er am Berner Konservatorium tätig und leitete verschiedene kleine Chöre und Orchester. In den Jahren 1932 bis 1941 fand diese rege musikalische Tätigkeit infolge einer Tuberkulose-Erkrankung einen Unterbruch. Nach seinen Aufenthalten in Davos und Montana begann er wieder zu komponieren. Am Konservatorium in Zürich unterrichtete Willy Burkhard seit 1942 Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition. Neben dem des Preises des Schweizerischen Tonkünstlervereins wurde er mit vielen weiteren Preisen ausgezeichnet. Als er 1955 starb fand man keine angefangenen Werke oder Skizzen.

Mit Concertinos befasste sich Willy Burkhard mehrfach. So 1940 mit einem Concertino für Cello und Streichorchester. Aber schon in früherer Zeit findet man in seinem Oeuvre eines nur für Streichorchester oder ein Concerto für Viola. Hat sich Burkhard in der Frühzeit seines Schaffens in seiner Kompositionsform sehr stark emanzipierten Dissonanzen zugewandt, änderte sich das in seinem späteren Leben. Da legte er grossen Wert auf das Zusammenspiel der Linien, Geschmeidigkeit, Rundung und Fülle. Von grosser Bedeutung im Leben Burkhards war seine tiefe Religiosität. Die Wurzeln dafür findet man in der Zeit am evangelischen Seminar in Muristalden. Dabei ist aber festzuhalten, dass Burkhard mit seinen Werken nicht ein subjektives Bekenntnis ablegen wollte. Ihm ging es um einen allgemeinverbindlichen Ausdruck in der Musik mit der Eigengesetzlichkeit der Musik. Mit Willy Burkhard, der am 17. April 1900 in Leubringen bei Biel geboren wurde und am 18. Juni 1955 in Zürich starb finden wir eine bedeutende Schweizerische Musikerpersönlichkeit, die mit seinen Kompositionen, seiner Lehr- und Dirigententätigkeit für Chor und Orchester einen Massstab für die musikalische Welt setzte.

Anton Bruckner

Adagio für Streicher

Dieses Adagio für Streicher Ist im Zusammenhang mit der Komposition der 3. Symphonie entstanden. Bruckner verfasste zu dieser Symphonie eine erste Fassung in den Jahren 1872 bis 1873. eine zweite folgte 1874 und 1876 bis 1878. Das Adagio war ursprünglich ein Teil der 3. Symphonie und wurde bei den Überarbeitungen wohl fallen gelassen. Für die 3. Symphonie komponierte er quasi ein anderes Adagio und überarbeitete das Adagio für Streicher zu einem selbständigen Werk.

Der Lebensweg Bruckners lässt sich 4 Lebensabschnitte gliedern:

  1. Jugend, Ausbildung und Lehrer von 1824 bis 1855. Schon als 4jähriger lernte er das Geigenspiel und sein Vater unterrichtete ihn am Klavier und an der Orgel. In diesen Jahren verlebte er seine Jugend in seinem Geburtsort Ausfelden, erhielt seine Ausbildung zum Lehrer in St. Florian und betätigte sich als Lehrer in Linz, Windhaag, Kronsdorf und St. Florian.

  2. In Linz lebte er von 1855 bis 1868. dort gab er den Lehrerberuf auf und wurde Domorganist mit vielen, verschiedenen Aufgaben. So wurde er ein Berufsmusiker in kirchlichem Dienst. In seinem Dienst wurde er zum angesehenen und einer Öffentlichkeit permanent präsenter städtischen Domorganist. In Linz hörte er das eine oder andere Werk von Richard Wagner, das für Bruckner eine wahre Offenbarung war. Die folge davon war, dass es heisst, dass es wohl kaum einen Komponisten gibt, der so unvermittelt und schlagartig zu seiner eigenen, so persönlichen Tonsprache gefunden hat.

  3. Der Weg zum Durchbruch kam in Wien. Dort lebte er von 1868 bis 1880. Da erfolgte mit der Ernennung zum Professor für Generalbass an der neu zu errichtende Orgelschule am Konservatorium in Wien der Durchbruch. Während drei Monaten widmete er sich der Einarbeitung. Nun begann er mit der Komposition von Symphonien. 1869 komponierte das "Locus Iste" für Chor Acapella. Es ist eines der nachdrücklichsten und schönsten musikalischen Dokumentes der schlichten und tiefen Frömmigkeit Bruckners. So wurde er ab Anfang 1870 nicht nur zum gefeierten Organisten sondern auch zu einem berühmten und angesehen Komponisten.

  4. Die letzten Lebensjahre von 1881 bis 1896 verlebte er in Wien als gefeierter Komponist. Er wandte sich vermehrt der neuen deutschen Schule mit Richard Wagner und Franz Liszt zu. Dadurch hatten seine Symphonien trotz seines Ruhmes als Komponist einen sehr starken Widerstand seitens des konservativen Wiens. Sein Ruhm führte aber nicht dazu, dass er von seinen Kompositionen leben konnte. Auch Aufführungen und kleine Druckerzeugnisse seiner Werke verbesserten nicht seine finanzielle Situation, auch dann nicht, wenn geschickt angebrachte Widmungen an grosse Persönlichkeiten seiner Zeit angebracht wurden. Während seines Lebens wurden von seinem riesigen und umfangreichen Werkkatalog gerade einmal 30 Werke gedruckt.
Johann Sebastian Bach

Brandenburgisches Konzert Nr. 5 D-Dur BWV 1050

Die bekannten sechs Brandenburgischen Konzerte komponierte Johann Sebastian Bach im Jahre 1721 in Köthen. Dort war er von 1717 bis 1723 Kapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. Vorher war er während 9 Jahren Kapellmeister und Organist in Weimar. Im Anfang seiner Weimarer Zeit fühlte sich Bach offensichtlich wohl und zufrieden mit seiner Obrigkeit. Diese bestand aus den herzoglichen Brüdern Wilhelm Ernst und Ernst August. Diese Doppelregentschaft führte zu einem permanenten Zwist zwischen den beiden Herzögen. Man vermutet, dass diese Zwistigkeiten der Anlass für Bach war seine Stelle in Weimar aufzugeben. Denn er fühlte sich in Weimar wohl, vermochte aber nicht die Streitigkeiten zu akzeptieren. Deshalb stimmte er dem Angebot die Stelle als Kapellmeister der Hofkapelle des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen zu übernehmen zu. Nur war das nicht so einfach. Der Fürst wollte, dass Bach bereits ab Anfang August 1717 seine Stelle antrat. Weimar gab ihn aber nicht frei, und er kam vom 6. November 1717 bis 2. Dezember 1717 in Arrest. In den dazu verfügbaren Unterlagen heisst es: 6. November: "wegen seiner halsstarrigen Bezeugung von zu erzwingender Demission". Und am 2. Dezember wurde vermerkt: "mit angezeigter Ungnade". Die Köthener Jahre zählen zu den glücklichsten seines Lebens. Vom Fürsten sprach Bach "von einem gnädigen und Music wohl liebenden als hinwendenden Fürsten." Die Hofkapelle bestand aus 17 Musikern, die nach dem Tode König Friedrich Wilhelms I. von Preussen entlassen wurden und Anstellung in Köthen fanden. Gemessen an der Grösse der Residenz hatten diese Musiker eine ausserordentliche Leistungsfähigkeit was sich an der Aufführung der Brandenburgischen Konzerte ablesen lässt. Bald wurde ein zweimanualiges Cembalo aus der Werkstatt des BerlinerHopfinstrumentenmachers Michael Miethe erworben. Bach holte dieses Instrument 1719 selbst in Berlin ab. Bei dieser Gelegenheit hat er am Hofe des Markgrafen von Brandenburg gespielt. Zwei Jahre später widmete er seine Brandenburgischen Konzerte diesem Markgrafen. Neben vielen anderen Werken, die in der Köthener Zeit entstanden bilden Konzertwerke eine relativ kleine Zahl aber mit einem immensen gestalterischen Reichtum. Die sechs Brandenburgischen Konzerte bilden unter seinen Orchesterkompositionen, die in Köthen entstanden, die grösste in originaler Besetzung zusammenhängende Gruppe. Wenn auch nicht ganz befriedigend teilt man die Konzerte in zwei Gruppen ein. Als Konzerte in Form von Tutti - Solo Kontrast zählt man die Konzerte 1, 3 und 6. als Solokonzerte zählt man die Konzerte 2, 4 und 5. Dabei hat das 5. Brandenburgische Konzert die ungewöhnlichste Besetzung, in welchem die Violine, die Traversflöte und das Cembalo als Soloinstrumente einem Streichtrio-ripieno gegenüber stehen. Das Cembalo ist hier zum ersten Mal von der Continuo Funktion zum Soloinstrument herausgehoben. Und dazu nimmt es noch unter den 3 Soloinstrumenten den Rang eines Primes Inter Pares ein.